Mobiler Videojournalismus

Die Übertragung von live-videos im Rahmen der Berichterstattung gehört mittlerweile eher zur Regel als zur Ausnahme. „Video Rules!“ und das nicht nur in den sozialen Netzen. Moderne Smartphones, Tablet-PCs und Kameras liefern neben einer ausgezeichneten Qualität auch die notwendigen technischen Voraussetzungen um aufgenommene Videos, live oder zeitversetzt über das Internet zu versenden. Soweit, so gut. Als Grundvoraussetzung braucht es aber in eine schnelle und stabile Internetverbindung. Genau an dieser Stelle hakt es oft.

Die flächendeckende und leistungsfähige Mobilfunk-Netzabdeckung ist trotz vollmundiger Behauptungen der Provider leider (immer noch) nicht gegeben. Aber selbst bei guter Netzabdeckung kann es zu Problemen kommen. Gerade bei großen Events und besonderen Vorfällen (wie z.B. Konzerten oder Katastrophen), wenn sehr viele Leute in einer Mobilfunkzelle eingebucht sind, verringert sich die verfügbare Bandbreite für den Einzelnen massiv. In solchen Fällen ist die stabile Übertragung eines live-Signals oder einer Videodatei  nicht möglich.

Es gibt aber durchaus Alternativen zur Übertragung via Mobilfunk. Ich gehe später auf eine Auswahl verschiedener Übertragungsmöglichkeiten ein, die neben dem Mobilfunknetz auch evtl. vorhandene WiFi-Netze oder die Übertragung via Satellit mit einbeziehen. Vor einer Übertragung steht aber zuerst die Klärung der Anforderungen.

Die Anforderungen  

Die erste Frage die sich stellt, bezieht sich auf  die 3W’s . Wer soll Was, Wohin übertragen?

Wer?
Ist der Reporter auf sich allein gestellt oder hat er einen Kameramann bzw. eine 2te Person mit dabei? Hier geht es primär um die Auswahl des geeigneten Aufnahme- und Übertragungsgerätes. Ist es z.B. beim Smartphone sehr einfach eine Aufnahme oder einen Stream zu starten, so wird es bei der Übertragung mit einer VJ-Kamera oder einer DSLR schon aufwendiger.  Mit Apps, wie Persiscope oder Meercat, lassen sie Übertragungen einfach per Knopfdruck vom Smartphone starten. Die erforderlichen Parameter sind bereits in der App hinterlegt. 

Bei Verwendung eines USB-Mobilfunksticks in Verbindung mit einer VJ-Kamera müssen jedoch im Menu der Kamera die Parameter für den Streaming-Dienst erst noch eingegeben und gesetzt werden. Das setzt neben einem technischen Grundverständnis auch Zeit zur Vorbereitung voraus.  Wenn es darum geht, sich bei der Moderation selbst zu filmen, erfordert dies (bei Abwesenheit einer zweiten Person) einen zusätzlichen technischen und zeitlichen Aufwand.

Was?
Wofür ist der Stream oder die Aufnahme gedacht? Hohe Qualität benötigt eine hohe Bandbreite zur Übertragung und und erzeugt große Dateien. Aktuelle Smartphones erzeugen HD-Auflösungen mit bis zu 240 Bildern pro Sekunde. Entsprechend groß werden die erzeugten Videodateien.  Bevor es zu lästigen Abbrüchen oder Aussetzern in der Übertragung kommt, kann es sinnvoll sein die Videoqualität einzuschränken. Gerade bei der live-Berichterstattung steht die Aktualität vor dem perfekten Bild. Welche Bandbreite bei der Übertragung dann aber tatsächlich stabil funktioniert lässt sich aber im Voraus nicht mit Sicherheit festlegen.

Wohin?
Das letzte Glied der Kette ist das schwierigste, da hier viele externe Faktoren zusammenkommen. Zum einen stellt sich die Frage nach dem Übertragungsweg (WiFi, Mobilfunk, Satellit) und zum anderen nach dem Zielpunkt der Übertragung. Wie bereits erwähnt, ist eine Übertragung über Mobilfunknetze nur bedingt zuverlässig, denn sie setzt neben einem stabilen Signal auch eine konstant verfügbare Mindestbandbreite voraus. Das gleiche gilt natürlich auch für verfügbare WiFi-Netze. Öffentliche WiFi-Netze und  Netze in Hotels bieten oft eine gute Download-Geschwindigkeit, haben aber massive Einschränkungen in der Geschwindigkeit beim Upload.
Zuverlässige Datenübertragung sieht anders aus 🙂

Als nächstes stellt sich die Frage des Zielpunktes? Viele Apps erlauben einen live-stream nur zu einem vorgegebenen Ziel bzw. Dienst. Bei Periscope ist es Twitter, bei Live:Air stehen livestream, USTREAM  oder ein eigenes RTMP-Ziel zur Verfügung. Dienste wie livestream oder USTREAM sind kostenpflichtig und haben eine volumenorientierte Kostenstruktur. Dienste wie  make.tv bieten darüberhinaus über eine  Webmanagement-Oberfläche die Möglichkeit die Streams vieler Personen zu “sichten”, auszuwählen und zu senden bzw. aufzuzeichnen.

Wichtig ist auch die Frage wo dieser Stream zu sehen ist bzw. ob sich dieses Ziel in eine eigene Webseite integrieren lässt. Bei Periscope besteht die Möglichkeit über Umwege die Twitter-Stream URL auf der eigenen Webseite einzubinden. Allerdings verliert man bei dieser Art der Integration größtenteils die Kontrolle über die Übertragung.

 

Streaming

Um Videoinhalte “live” zu verbreiten gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, deren Einsatz im wesentlichen von der vorhandenen Infrastruktur und den Kosten abhängt.  Im wesentlichen lassen sich folgende Übertragungsarten unterscheiden:

 1. Live-Streaming vom Smartphone oder Tablet über das Mobilfunknetz

 

Scenario 1
Scenario 1
Benötigte Hardware: Smartphone oder Tablet mit SIM-Karte, LiveU-Rucksack
Benötigte Software: Streaming App. Entweder eine kommerziell verfügbare App wie z.B. Periscope, Livestream, etc., oder eine eigene App mit integrierter Video-streaming Funktion
Zielplattform(en): Kommerziell verfügbarer Streaming Service1 oder aber die eigene Plattform2
Kosten: 1) Die Kosten zur Nutzung kommerziell verfügbarer Plattformen bewegen sich von null (Periscope, Meercat) bis 1.000€/Monat (UStream, Livestream). Während man bei den kostenlosen Diensten keinen Garantie und keine Kontrolle über die Streams hat bieten die kostenpflichtigen Dienste hier einen (meist) Services sowie die Möglichkeit die Streams direkt auf eigene Webseiten zu integrieren.

2) Bei der Verwendung einer eigenen Plattform trägt man die Kosten für die Bereitstellung und den Betrieb der Infrastruktur selbst. Abhängig von der Anzahl der Nutzer, dem Nutzungsgrad und dem Streaming Volumen kann sich eine solche Variante lohnen.

Hinzu kommen bei 1) und 2) noch die Kosten für die Datenübertragung durch den Provider

Geschwindigkeit Stark abhängig vom verwendeten Mobilfunknetz (GPRS, 3G, LTE) sowie der Netzqualität des Anbieters

+

1) – Keine Investitionskosten,
– Sofortige Verfügbarkeit
– Hohe Skalierbarkeit2) – Kontrolle bei der Akquisition und Distribution des Streams.
– Höhere Sicherheit bei der Einbindung ins eigene Netz
– Nutzerdaten stehen zur Verfügung

1) – Keine Kontrolle bei der Akquisition und Distribution des
Streams.
– Nutzerdaten verbleiben beim Plattformanbieter
– Kosten abhängig von Anzahl der Nutzer und Streams2) – Hohe Anfangsinvestitionen
– Skalierbarkeit?
– Entwicklung und Pflege einer eigenen App erforderlich

 

2. Live-Streaming vom Smartphone, Tablet oder Kamera (inkl. DSLR) über WiFi (inkl. mobile Hotspots)

Szenario 2
Szenario 2
Benötigte Hardware: Smartphone oder Tablet mit SIM-Karte, LiveU-Rucksack. Eventuell eigener Hotspot mit austauschbaren SIM-Karten verschiedener  Provider.
Benötigte Software: Streaming App. Entweder eine kommerziell verfügbare App wie z.B. Periscope, Livestream, etc., oder eine eigene App mit integrierter Video-streaming Funktion
Zielplattform(en): Kommerziell verfügbarer Streaming Service1 oder aber die eigene Plattform2
Kosten: 1) Die Kosten zur Nutzung kommerziell verfügbarer Plattformen bewegen sich von null (Periscope, Meercat) bis 1.000€/Monat (UStream, Livestream). Während man bei den kostenlosen Diensten keinen Garantie und keine Kontrolle über die Streams hat bieten die kostenpflichtigen Dienste hier einen (meist) Services sowie die Möglichkeit die Streams direkt auf eigene Webseiten zu integrieren.

2) Bei der Verwendung einer eigenen Plattform trägt man die Kosten für die Bereitstellung und den Betrieb der Infrastruktur selbst. Abhängig von der Anzahl der Nutzer, dem Nutzungsgrad und dem Streaming Volumen kann sich eine solche Variante lohnen.

Hinzu kommen bei 1) und 2) noch die Kosten für die Datenübertragung durch den Provider

Geschwindigkeit  Stark abhängig vom verwendeten Mobilfunknetz (GPRS, 3G, LTE) sowie der Netzqualität des Anbieters

+

1) – Keine Investitionskosten,
– Sofortige Verfügbarkeit
– Hohe Skalierbarkeit
– über das WiFi können mehrer Geräte gleichzeitg die
Verbindung nutzen2) – Kontrolle bei der Akquisition und Distribution des Streams.
– Höhere Sicherheit bei der Einbindung ins eigene Netz
– Nutzerdaten stehen zur Verfügung
– über das WiFi können mehrer Geräte gleichzeitg die
Verbindung nutzen

1) – Keine Kontrolle bei der Akquisition und Distribution des Streams.
– Nutzerdaten verbleiben beim Plattformanbieter
– Kosten abhängig von Anzahl der Nutzer und Streams
– keine Verbesserung der Verbindungsqualität gegenüber 1.

2)  – Hohe Anfangsinvestitionen
– Skalierbarkeit?
– Entwicklung und Pflege einer eigenen App erforderlich
– keine Verbesserung der Verbindungsqualität gegenüber 1.

 

3. Live Streaming vom Smartphone, Tablet oder Kamera (inkl. DSLR) über eine Satellitenverbindung

Szenario 3
Szenario 3
Mögliche/
benötigte Hardware:
– Smartphone oder Tablet,
– LiveU-Rucksack,
– WiFi-fähige Spiegelreflexkamera
– Wifi-fähige VJ-Kamera.
– Bei nicht WiFi-fähigen Spiegelreflex- oder VJ-Kamers mit
HDMI-Ausgang wird eine HDMI zu WiFi-Transmitter (e.g.
MiniViu von Teradek) benötigt
– portable Satellitenschüssel mit Transmitter und WiFi-Modul
Benötigte Software: Streaming App. Entweder eine kommerziell verfügbare App wie z.B. Periscope, Livestream, etc., oder eine eigene App mit integrierter Video-streaming Funktion
Zielplattform(en): Kommerziell verfügbarer Streaming Service1 oder aber die eigene Plattform2
Kosten: 1) Die Kosten zur Nutzung kommerziell verfügbarer Plattformen bewegen sich von null (Periscope, Meercat) bis 1.000€/Monat (UStream, Livestream). Während man bei den kostenlosen Diensten keinen Garantie und keine Kontrolle über die Streams hat bieten die kostenpflichtigen Dienste hier einen (meist) Services sowie die Möglichkeit die Streams direkt auf eigene Webseiten zu integrieren.

2) Bei der Verwendung einer eigenen Plattform trägt man die Kosten für die Bereitstellung und den Betrieb der Infrastruktur selbst. Abhängig von der Anzahl der Nutzer, dem Nutzungsgrad und dem Streaming Volumen kann sich eine solche Variante lohnen.

Bei der Satellitenübertragung hängen die Kosten sehr stark von dem gewählten Dienst ab. Beim Newspotter-Service von Eutelsat, der eine europaweite Abdeckung bietet, kostet die Übertragung von 1 GB je nach gewählten Preismodell zwischen 45 und 60 Euro.

Die Kosten für HW liegen je nach Geräteausstattung zwischen 5.000 Euro für eine mobile Antenne mit manueller Ausrichtung und 9.000 Euro für eine mobile Antenne mit automatischer Ausrichtung

Geschwindigkeit Der Eutelsat Newspotter Service bietet bis zu 22Mbps beim Download und 10 Mbps beim Upload

+

– Hohe Flexibilität
– Unabhängig vom Mobilfunknetz
– Garantierte Verfügbarkeit der Bandbreite
– Europaweit einsetzbar

– Im Vergleich zum Mobilfunk hohe Kosten für die Übertragung
– Dediziertes Gerät (Sat-Schüssel) muss mitgenommen werden

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