Die Realität ist längst virtuell

So könnte man die Eindrücke der Vizrt Days zusammenfassen.

2 Tage vollgepackt mit Informationen über Einsatz virtueller Grafiktechnologie bei Broadcastern aus der ganzen Welt.
Viz-r-wer? Vizrt, die Abkürzung für VIsualiZation in Real Time, ist ein norwegisches Unternehmen das seit 1997 Produkte zur Erzeugung digitaler Grafiken in Echtzeit entwickelt. Mit Kunden in über 100 Ländern, 40 Büros weltweit und über 600 Mitarbeitern gehört Vizrt zu den technologischen Marktführern für Real Time Graphics.

So war es nicht verwunderlich das die Rednerliste der Vizrt Days einem Who’s Who der Broadcast-Industrie glich. Al Husseini, Head of Standards & Compliance und Miljenko Logozar, Network Director Broadcast von  Al Jazeera; Jonathan Kemp, Design Director bei CNN; Alexis Salinas, Technical Manager bei Univision Network; Zac Fields, VP Graphics & Technology bei der Fox Sports Media Group, Kelly Moulton, CCO von Never.no; Jeff Vella, Director Media Engineering von CBC (Canadian Broadcasting Corporation), und viele mehr berichteten über Ihre Erfahrungen beim Einsatz von Echtzeitgrafiken.
Al Jazeera Newsroom
Al Jazeera Newsroom

Eine Nachrichtensendung ohne immersive Grafiken oder virtuelle Studiotechnik existiert bei vielen Sender schlicht nicht mehr. Die Anforderung komplexe Sachverhalte oder Ergebnisse verständlich aufzubereiten und darzustellen lässt sich ohne Echtzeitgrafiken nicht erfüllen. Virtuelle Studiotechnik erlaubt platz- und kostensparende Produktionen.

Am besten drückte dies  Al Husseini von Al Jazeera aus, mit seiner Aussage  “if you loose graphics, you loose 50% of your storytelling”. Den Anforderungen an Verfügbarkeit, Skalierbarkeit und Ausfallsicherheit innerhalb eines weltweiten Netzwerks von lokalen Sendern und Inhalten begegnet Al Jazeera mit schlanken, cloud-basierten Diensten.
Sehr eindrucksvoll präsentierte Al Husseini, die Reduktion einer höchst Komplexen Infrastruktur (vor der Erneuerung) auf ein überschaubares und dabei leistungsfähigeres System nach der Erneuerung. Weil Ausfälle nicht toleriert werden ist jeder lokale Sender in der Lage die Aufgabe eines anderen mit zu übernehmen. Inhalte stehen sofort allen zur Verfügung. Nach Aussage von Al Husseini ist “die Zukunft cloud-basiert mit einem zentralen Management aus Doha”. Beeindruckend waren hier unter anderem die Anwendungsbeispiele aus dem Al Jazeera Newsroom.
Nicht weniger eindrucksvoll waren die Beiträge von Jonathan Kemp, Design Director CNN und Alexis Salinas, Technical Manager, Univision. Univision betreibt in Miami den (wahrscheinlich) grössten Newsroom weltweit. Auf einer Fläche von über 5’000m2 entstehen Nachrichten für die spanisch sprechende Bevölkerung der USA. Der Neubau wurde von Anfang an auf virtuelle Studiotechnik und den Einsatz immersiver Grafiken ausgerichtet.  Beide Redner betonten die Wichtigkeit der Schulung von Mitarbeitern für den Einsatz in virtuellen Studios. Die Orientierung in einem grünen Raum und bei längeren Übertragungen muss erlernt werden. Viele Moderatoren sind den Anforderungen am Anfang nicht gewachsen und bedürfen besonderer Ausbildung.
Die Möglichkeiten durch den kombinierten Einsatz realer Studios und immersiver Grafiken bieten aber extreme kreative Freiräume und neue Gestaltungsmöglichkeiten.
John Murphy, Design Lead BBC Sport, schilderte recht eindrucksvoll und viel britischem Humor die Entstehung des neuen virtuellen BBC Studios. Weil sich das Newsteam nicht vom Design seines “alten” Newsrooms trennen wollte, wurde dieser haargenau als virtuelles Studio “nachgebaut”. Dieses virtuelle Set dient nun zur Vorprobe (rehearsal) und als Ausweichsstudio bei techn. Problemen. Ausserdem gewöhnen sich die Moderatoren hier in einer “bekannten” Umgebung an die Arbeit im virtuellen Raum. Das Video zeigt recht unterhaltsam die Entwicklung des BBC Newsrooms von damals bis heute
Die Veranstaltung war wie auch im Vorjahr bestens organisiert und das Wetter war,  wie im Vorjahr, kalt und regnerisch. Alle  gezeigten Anwendungsbeispielen und die live-Präsentation eines mixed-Studios (real und green-screen) von TV2, zeigten klar die Richtung moderner Nachrichtensendungen – die Realität ist schon längst virtuell.
… und hier noch ein „drolliges“ Beispiel vom Einsatz der CNN Weebles während des Wahlkampfs 2012 in den USA