Automobilhersteller auf der CES?

Mehrere Autohersteller auf einer Messe für Unterhaltungselektronik? Vor noch nicht allzu langer Zeit wäre das undenkbar gewesen. Doch die Themen Computer, Smartphones und Vernetzung spielen bei der Mobilität von morgen eine immer wichtigere Rolle. Und so nutzen Hersteller wie Audi, BMW, Chrysler, General Motors, Mazda, Mercedes, Ford, Toyota und KIA die Consumer Electronics Show, kurz CES, in Las Vegas (7. bis 10. Januar 2014) für ihren Blick in die Zukunft.

Die Consumer Electronics Association (CEA) prognostiziert für 2014 ein Wachstum von  20% für werkseitig installierte Auto- und Kommunikationselektronik. Bereits schon jetzt verfügen ca. 17% der amerikanischen Haushalte über ein Fahrzeug mit vernetzten und sicherheitsrelevanten Systemen.  Die Experten der CEA erwarten einen schnellen Anstieg dieses Anteils da die Hersteller bereits existierende Lösungen und Systeme auf die ganze Modellpalette ausweiten.

Diese neuen Entwicklungen finden sich daher auch in den Konferenzthemen der CES wieder.

  • „How Technology will Change Driving“
    Die Revolution der Amaturentafel ist im vollen Gange und der Weg zum selbst-fahrenden Auto ist mit Technologien gepflastert die vor 10 Jahren noch undenkbar waren. Jede Menge Sensoren, sprach- und gestengesteuerte Infotainment Systeme verbunden mit Head-up Displays und Augmented Reality finden ihren Weg in die Fahrzeuge.
  • „If Your’re Not Connecting, You’re Interrupting“
    Vernetzte Fahrzeuge gehören zukünftig immer mehr zum Fahrerlebnis. Die Innovationen kommen dabei sowohl von den Automobilherstellern als auch von der Unterhaltungselektronik. Die Herausforderung liegt hierbei in der einfachen Installation, Wartung (Upgrade) sowie der Kommunikation der Apps untereinander.
  • „Collaborate or Die“
    Die Autohersteller zwingen die Lieferanten dazu ihre Infotainment-Systeme zu öffenen so das externe Applikationen mit ihnen kommunizieren können. Waren diese Lieferanten bis vor kurzem erbitterte Rivalen so müssen sie jetzt zusammenarbeiten.

Ein weiteres Topthema der CES sind die Concept Cars und diese betreffen die Fähigkeit zum autonomen Fahren. Bei der Audi-Studie ermöglicht das „zFAS“ genannte „Gehirn“ des Wagens eine selbstständige Fortbewegung. Im „zFAS“ sind diverse Radarsysteme, mehrere Kameras, ein Laserscanner oder auch Navigationsdaten zusammengefasst.

Apropos Computer im Auto: Ein wichtiger Schritt in diese Richtung ist die Open Automotive Alliance, ein Kooperation von Google, Chiphersteller NVIDIA, General Motors, Honda, Volkswagen und Audi. Google sieht im Rahmen dieser Kooperation sein Betriebssystem Android als Basis für vernetzte Systeme. Kein Wunder lief Android auf fast 82 Prozent aller neu verkauften Internethandys – weit vor Apples iOS mit einem Marktanteil von rund 12 Prozent.

Auch Apple hat das Auto für sich entdeckt

Google will neben den Gründungsmitgliedern weitere Unternehmen für seine Allianz gewinnen. Ähnlich war das Unternehmen schon mit den Handyherstellern vorgegangen. Zumindest ist der Technologiekonzern nicht der erste, der das Auto für sich entdeckt. Android konkurriert in Teilen mit „iOS in the Car“, das Apple im vergangenen Sommer vorgestellt hatte. In der Apple-Allianz sind Hersteller wie BMW, Daimler, Ferrari und auch der neue Google-Partner Audi mit an Bord. Ganz allgemein nimmt die Zusammenarbeit zwischen Autokonzernen und IT-Industrie immer mehr zu. Das ist ein Kulturwandel für die Autobranche, die über Jahrzehnte nach ihren eigenen Gesetzen funktionierte. Auch bei der Einbindung von Online-Diensten in Fahrzeuge versuchten es die Hersteller zunächst mit hauseigenen Lösungen, meist zu saftigen Aufpreisen. Jetzt kooperieren sie häufiger – und jeder Autokonzern, der etwas auf sich hält, arbeitet inzwischen am Roboterauto.

Audi

Mega-Reichweite per Laser

Audi lässt sich nicht lumpen und bringt gleich eine aufregende Studie zur CES 2014 mit: den Sport Quattro Laserlight. Neu sind hier weniger das Design oder der 700-PS-Plug-in-Hybrid, sondern die Scheinwerfer. Sie kombinieren LED-Lampen mit Laserlicht. Letzteres ist dreimal stärker als LEDs. Der Lichtstrahl reicht laut Audi-Entwicklungschef Ulrich Hackenberg über die Länge von fünf Football-Feldern, was in etwa 550 Meter entspricht. Besagtes Laserlicht wird im 2014er-Le-Mans-Auto von Audi zum Einsatz kommen.  Eine Serienfertigung ist geplant.

Audi Sport Quattro Laserlight
Audi Sport Quattro Laserlight

Analoge Anzeigen Adé

Analoge Anzeigen sind ja so 2013.  Die Anzeigetafel der Zukunft ist flach, hochauflösend und frei konfigurierbar. Und genau das bietet der neue Audi TT wenn er 2014 in die Läden rollt.  An der CES erlaubte Audi einen ersten Einblick in das Interieur des neuen TT. Kernstück ist ein hochauflösender 12.3 Zoll LCD Bildschirm hinter dem Lenkrad. Die Anzeige kann vom Fahrer seinen Bedürfnissen (und Vorlieben) angepasst werden. Von der graphischen Darstellung analoger Anzeigeinstrumente bis hin zur Darstellung 3-dimensionaler Strassenkarten mit Zusatzinformationen ist alles möglich.

Audi Dashboard
Audi Dashboard

Frisches Klima

Eine weitere Neuerung besteht im „Weglassen“ der tradionellen Temperaturregler in der Mittelkonsole. Beim neuen TT wird  diese Funktionalität einfach in die Lüftungsausgänge verlegt. Fahrer und Beifahrer können die Temperatur und Luftstrom über integrierte Drehknöpfe mit LCD Displays  regeln.  Die Displays zeigen dabei die eingestellte/vorhandene Temperatur sowie die Lüfterstufe an.

Frisches Klima
Frisches Klima

Mercedes

Die virtuelle C-Klasse

Mercedes Interieur
Mercedes Interieur

Mercedes erweckt die neue C-Klasse in Las Vegas noch vor der eigentlichen Weltpremiere auf der eine Woche später startenden Automesse in Detroit per „Augmented Reality App“ zum Leben. Ein weiterer Punkt ist die Intergration von so genannten „Smartwatches“ und der Datenbrille „Google Glass“ in das Telematiksystem neuer Autos, um Fahrzeugdaten abzurufen. Ebenfalls möglich werden soll die Steuerung der Temperatur daheim oder im Büro vom Auto aus. Künftig soll das eigene Fahrzeug  auch die Wünsche, Stimmungen (per Gesichtserkennung) und Vorlieben der Insassen erkennen, um so die nächsten Bedienschritte vorherzusehen und zu vereinfachen. Als Weltpremiere bringt Mercedes das soziale Netzwerk „Google+“ ins Auto, ab Frühjahr 2014 soll dies möglich sein. Dann lassen sich z.B. auf der Fahrt gemachte Eindrücke (egal ob Audio, Video oder Bild) per Sprachsteuerung direkt ins soziale Netz stellen.

Mercedes Pebble Smart Watch
Mercedes Pebble Smart Watch

Die intelligente Uhr von Pebble fungiert als eine Art zweiter Bildschirm des Smartphones – ob Android oder Apple, ist egal. Dies biete interessante Mög-lichkeiten  auch für den automobilen Bereich, so der Autohersteller. „Mercedes-Benz Fahrer könnten auf ihrer Pebble Smartwatch künftig beispielsweise relevante Fahrzeug-informationen wie Tankfüllstand, Status der Schließanlage oder den Standort des Parkplatzes auch außerhalb des Autos bequem abrufen“, heißt es in einer Pressemitteilung. Auch könne der Fahrer im Auto beispielsweise durch Vibrieren der Armbanduhr auf Gefahrensituationen wie Falschfahrer informiert werden.

BMW

Steuerung per Uhr

Auch BMW setzt auf Smartwatches, im konkreten Fall auf die Samsung Galaxy Gear in Verbindung mit dem Elektroauto i3. Der Mix aus Handy und Armbanduhr informiert über Ladezustand und Restreichweite, per Spracheingabe kann der Uhrenträger zudem ein Navigationsziel ans Auto senden oder die Klimatisierung vorbereiten. Als einen Schritt zum komplett automatisierten Fahren (der in Las Vegas anhand eines umgebauten 2er Coupé demonstriert wird), sieht BMW das weitgehend selbständige Einparksystem des i3. Es findet nicht nur eigenständig passende Lücken, sondern wechselt auch automatisch zwischen Vorwärts- und Rückwärtsgang. Während des selbständigen Lenkvorgangs erfolgt auch das Anfahren und Bremsen automatisch.

BMW Samsung Smart Watch
BMW Samsung Smart Watch

KIA

Üppige Ansicht vor der Nase

 Auch die Koreaner von Kia sind in Sachen Vernetzung nicht untätig. Sie zeigen in Las Vegas zwei Demonstrations-Cockpits namens „UCD“ und „IVI“. Zentrale UCD-Komponente ist ein 18 Zoll (!) großes Head-up-Display, auf dem Infos zu Tempo oder Verkehrslage per Augmented Reality dargestellt werden. Darüber hinaus liefert ein 12,3-Zoll-TFT-Bildschirm hinter dem Lenkrad weitere Fahrdaten in einer 3D-Darstellung, die sich dank Eye-Tracking-Technologie automatisch dem Blickwinkel des Fahrers anpasst. Zusätzlich lässt sich das UCD-Konzept auch durch Gesten steuern, Smartphones werden überdies drahtlos per Induktion aufgeladen.

Kia Head Up Display
Kia Head Up Display

Zu den Neuerungen im Musikangebot gehören die „Smart-Radio“-Funktionen. So kann sich der Fahrer aus dem Angebot des Kia-eigenen Musikdienstes eine persönliche Wiedergabeliste zusammenstellen oder auch eines von fünf vorgegebenen Angeboten für bestimmte Fahrsituationen wählen – zum Beispiel die passende Musik für eine sommerliche Fahrt auf einer Küstenstraße.

Kia IVI
Kia IVI

Welche Fortschritte die Fahrzeug-zu-Fahrzeug- und Fahrzeug-zu-Infrastruktur-Kommunikation inzwischen gemacht hat, demonstriert das IVI-Konzept in realitätsnahen Szenarien. So weist das System optisch und akustisch auf Verkehrsrisiken auf der Strecke hin, warnt in Echtzeit vor möglichen Gefahren wie Kollisionen und dem plötzlichen Verlassen der Fahrspur und informiert über die aktuelle Situation an Straßenkreuzungen.

Die schnelle Datenübertragungstechnologie WiHD (Wireless HD) optimiert die Vernetzung der verschiedenen Komponenten inklusive des Displays in der Zentralkonsole und der beiden separat bedienbaren Entertainment-Einheiten im Fond. Dank dieser Technologie können die Passagiere ihr eigenes Musik- oder Videoprogramm genießen, während das System den Fahrer gleichzeitig mit wichtigen Informationen versorgt – wie zum Beispiel Navigationshinweisen des vorprogrammierten Smartphones

General Motors

2015 werden die meisten Modelle von Chevrolet über eine 4G LTE Mobilfunkverbindung mit der Ausswenwelt verbunden sein und den Insassen über eine integrierte WiFi Verbindung Zugang zum Internet und anderen Geräten im Fahrzeug bieten. Die ersten 10 Modelle mit dieser neuen Funktionalität werden bereits ab Mitte 2014 verfügbar sein, einschliesslich Chevrolets Plug-in Hybrid Modell, Volt . AT&T wird dabei eine enge Zusammenarbeit mit GM eingehen und für die notwendingen Hochgeschwindig-keitszugänge sorgen.

GM mit 4G LTE und integriertem WiFi Hotspot
GM mit 4G LTE und integriertem WiFi Hotspot

GM ist der erste Hersteller der die Verfügbarkeit von 4G LTE in Verbindung mit einem im Fahrzeug integrierten WifFi für soviele Modelle ankündigt. Es wird erwartet das Audi eine ähnliche Ankündigung im Verlauf der CES machen wird.

Die Besitzer  können bis zu 7 verschiedene Geräte über den gleichen Mobilfunkplan laufen lassen und bis zu 7 verschiedene Geräte lassen sich mit dem Hotspot im Fahrzeug verbinden. Nach Aussagen von GM gibt es bereits Gespräche mit Mobilfunkanbietern in anderen Ländern um den Service auch ausserhalb der USA anzubieten.

Ford

Das Ford C-Max Energi Solar Concept kombiniert Plug-in Hybrid-Technologie mit einem hocheffizienten Solardach, das mittels einer lupenähnlichen Linse Strom aus Sonnenenergie erzeugt. Damit soll der Van unabhängiger vom stationären, öffentlichen Stromnetz werden.

Ford C-Max Solar
Ford C-Max Solar

Nach seiner Premiere auf der CES wird der Ford C-Max Energi Solar Concept zahlreichen Tests unterzogen, darunter auch im realen Fahrbetrieb. Das Ergebnis dieser Tests wird zeigen, wie und wann die Solartechnologie ihren Weg in Serienfahrzeuge finden kann. Nach vorläufigen Daten geht Ford davon aus, dass Sonnenenergie in Zukunft bis zu 75 Prozent der Stromversorgung während des Fahrbetriebs eines Solar-Hybrid-Fahrzeugs decken könnte.

Das Ford C-Max Energi Solar Concept wurde in Kooperation mit dem kalifornischen Unternehmen SunPower und dem Georgia Institute of Technology in Atlanta/Georgia entwickelt.

Toyota

Toyota hat auf der CES in Las Vegas sein Fuel Cell Konzept vorgestellt.  Bereits 2015 will der Hersteller das erste serienreife Fahrzeug mit Brennstoffzelle zu einem „vernünftigen“ Preis auf den Markt bringen. Man habe die Kosten Laufe der Entwicklung seit 2002 um zwei Drittel reduzieren können.

Toyota Fuel Cell Präsentation
Toyota Fuel Cell Präsentation

Die Brennstoffzelle, die aus getanktem Wasserstoff und Sauerstoff Wasser erzeugt und dabei die Reaktionsenergie gewinnt, wird unter den Vordersitzen verbaut. Die Wasserstofftanks liegen hinter der Rückbank. Das Betanken soll 3 bis 5 Minuten dauern. Danach enthalte das Auto genug Energie, um ein Einfamilienhaus eine Woche mit Strom zu versorgen.

Eine Batterie im Auto wird im Teillastbereich geladen und unterstützt bei Volllast. Die Systemleistung soll bei 136 PS liegen, die Reichweite bei 480 km. Die Fahrleistungen hat Carter mit rund 10 Sekunden von 0 auf 100 km/h und etwa 170 km/h Höchstgeschwindigkeit angegeben. Prototypen wurden bereits ausgiebig getestet. Der Motor soll bis -30 Grad einsatzbereit sein, habe sich aber auch schon bei hohen Temperaturen in der Wüste bewährt. Auch lange Stopp-and-Go-Fahrten seien kein Problem.

Mögliche Auswirkungen dieser Entwicklungen

Es scheint das die Vernetzung von Geräten innerhalb eines Fahrzeugs, mit dem Internet oder untereinander nicht mehr aufzuhalten ist.  Diese Entwicklung bietet neben den Gefahren für bestehende Dienste und Technologien aber auch eine Menge an Innovationskraft.

Der Medienkonsum im Fahrzeug wird zunehmend über externe Geräte wie Smartphones und Tablets oder über das Internet erfolgen. Die auf der CES vorgestellten Lösungen zeigen bereits in welche Richtung die Entwicklungen gehen. Personalisierte Musiklisten die dem Fahrstil, der Stimmung des Fahrers oder der Strecke angepasst – aus dem Internet geladen werden,  sind nur der Anfang. Kooperationen der Autohersteller mit Anbietern wie Spotify, Rhapsody oder iTunes werden nicht mehr lange auf sich warten lassen, bzw. sind bereits im Gang.

Mitteilungen die heute noch über das Radio verbreitet werden wie z.B. Staumeldungen, Warnungen, usw. können zukünftig personalisiert  (d.h. auf die aktuelle Fahrstrecke bezogen) direkt auf Displays im Fahrzeug oder der dazugehörigen Smart Watch dargestellt werden.

Die anonymisierte Erfassung der Bewegungsdaten vieler Fahrzeuge, erlaubt die Anzeige der Verkehrsflüsse in Echtzeit. Der Fahrer auf dem Weg von München nach Salzburg erhält dementsprechend nur die für Ihn relevanten Meldungen.

Die Möglichkeit der direkten persönlichen Ansprache von Fahrer und Insassen über die Bordelektronik bietet dem klassischen Radio aber auch die Möglichkeit zu Schaffung neuer Formate durch die direkte Interaktion mit den Zuhörern.

One comment

  • Nice post. I study one thing more difficult on completely different blogs everyday. cfegececeeaa

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