Cyborg, oder wenn Mann Farben hört!

Live vom Zündfunk Netzkongress im Volkstheater München

Was für ein Vortrag – und war für ein Mensch. Die Rede ist von Neil Harbisson, einem britisch-irischen Künstler der seit seiner Geburt an Achromatopsie leidet, d.h. er kann keine Farben sehen. Aber anstatt sich mit einer Welt in schwarz-weiss abzufinden, setzte Neil bereits sehr früh auf high-tech um diesen Zustand zu ändern. Während seines Klavierstudiums stiess er auf eine Methode die es angehenden Klavierschülern erlaubt Melodien anhand von Farbcodierungen auf den Klaviertasten schneller zu erlernen. Das brachte ihn auf die Idee im Umkehrschluss, Farben in Töne umzuwandeln. Ausgestattet mit einer auf Kopfhörern befestigten Kamera und einem 5 Kg schweren tragbaren Computer gelang es ihm zuerst 12 Farben anhand spezifischer Töne zu erkennen. Dabei wurden nicht nur die Farben erkannt sondern anhand der Lautstärke auch ihr Sättigungsgrad.

Neil Harbisson Cyborgist
Neil Harbisson Cyborgist

Nach vielen weiteren Tests und Entwicklungen trägt Neil nun eine am Kopf fest implementierte Kamera bei der die Umsetzung der Farben in Töne durch einen integrierten Chip erfolgt. Die Übertragung der Tonfrequenzen geschieht jetzt auch direkt über die Schädelknochen so das das Gehör zu 100% für die Aussengeräusche genutzt werden kann. Die Übertragung der Töne direkt in den Schädel schafft somit eine neue, zusätzliche Sensorik.

Es ist beeindruckend wie Neil mit diesen neugewonnenen sensorischen Fähigkeiten umgeht und welche neuen Möglichkeiten sich darauf ergeben. Neil sieht Menschen als Farben und Gerichte als Kompositionen. Er hört Gemälde und kann durch die Klangkomposition einen Picasso schon von weitem von anderen unterscheiden.
Besonders interessant fand ich die Bemerkung das es keine “schwarzen” oder “weissen” Menschen gibt sondern das es sich dabei (in seiner Wahrnehmung) nur um Nuancen der Farbe “orange” handelt. Da haben wir’s. Wir sind alle orange!

Neil wurde übrigens als erster Mensch von der britischen Regierung offiziell als Cyborg anerkannt und darf seine integrierte Kamera daher auch auf den Passphoto tragen. (Sonst sind elektrische Geräte auf Passphotos verboten).

In der anschliessenden Diskussion ging es insbesondere um die Ethik von solchen Eingriffen vor allem wenn sie nicht dazu dienen eine Behinderung auszugleichen, sondern dazu gedacht sind die gegebenen (sensorischen) Fähigkeiten künstlich zu erweitern. So könnte man sich durchaus schon jetzt Sensoren implementieren lassen die es einem erlauben im Infrarotbereich “zu sehen” oder Veränderungen des Magnetfelds zu fühlen.

Es ist auf jeden Fall ein spannendes Thema das sich uns in Zukunft in zunehmenden Masse beschäftigen wird.

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