Soziale Netze & TV – geht das?

Social TV
schöne neue Fernsehwelt?

Jetzt haben wir die Bescherung.

Facebook und Twitter, denen seit Jahren von sogenannten „Experten“ ein baldiges Ende prognostiziert wird (.. die Jungen wenden sich von Facebook ab, kein Mensch braucht sowas auf Dauer, usw.) existieren weiter und schlimmer noch – sie wachsen! Die sozialen Netze sind mittlerweile ein fester Bestandteil unserer Gesellschaft geworden, oder zumindest eines grossen Teils davon. Sicher wird es immer Menschen geben die sich diesen Entwicklungen verschliessen aber man wird sie immer seltener in der Öffentlichkeit antreffen da sie nicht mehr in der Lage sein werden ein Tramticket zu lösen oder ihr Auto zu starten. Mit Computern und all diesem „neumodigen Zeugs“ wollen sie nichts zu tun haben.

Auch das Fernsehen hat mitbekommen das seine Zuschauer in sozialen Netzen unterwegs sind und das, will man modern und trendy erscheinen, man dort auch präsent sein sollte. Für die Einrichtung eines Twitter Accounts benötigt man ein paar Minuten, für die Erstellung einer Facebookseite braucht’s nur unwesentlich länger. Wer mehr zu sagen hat macht einen Blog. So weit so gut. Jetzt muss es einfach noch mit einer Sendung verbunden werden und fertig ist das Social-TV.

Wenn es nur so einfach wäre. Ist es aber nicht. Ein grosser Irrtum besteht in dem Glauben das man durch Hinzufügen von etwas online und social media aus dem klassischen Dreisprung, Skript-Produktion-Ausstrahlung, interaktives, soziales Fernsehen macht. Warum? Weil viele Sendungen heute noch so produziert werden wie vor 10 Jahren. Es wird ein TV-Format entwickelt und produziert und anschliessend versucht man „nochwas mit online und sozialen Medien“ zu machen.  Man macht es weil „der Markt es halt will“ und nicht weil man davon überzeugt ist.

Die erfolgreiche Einbindung von Komponenten sozialer Netze und die Interaktion mit den Zuschauern funktioniert aber nur dann erfolgreich wenn sie bereits bei der Entstehung eines Formats berücksichtigt wird. Das beliebte Einblenden von Twitterfeeds ist so spannend wie die live-Übertragung der russischen Meisterschaften im Beamten Mikado – wer sich zuerst bewegt hat verloren.
Es wäre einfacher jedem Zuschauer einen Post-it Block zu schenken damit er seine Kommentare selbst an die Mattscheibe kleben kann. Damit könnte man sich den ganzen technischen und redaktionellen Aufwand bei der Produktion sparen.
Und dann sind da noch all die Wahlsendungen die uns glauben machen wollen sie seien interaktiv und würden die Meinung der Zuschauer einfangen. In Wirklichkeit hat man das Gefühl das der grösste Teil der Sendung nur nach einer vorher festgelegten Regie abläuft und ein paar Zuschauerkommentare als schmückendes Beiwerk eingeblendet werden. oder schlimmer noch – vorlgelesen. Interaktive Formate sehen anders aus.

Liebe Sendungsmacher – kommt doch bitte vom selbsterrichteten Elfenbeintürmchen herunter und füllt eure Lungen mit dem frischen Wind sozialer Netzwerke. Frischer Wind ist gut – auch und gerade wenn er von vorn kommt.  Sicher macht eine Einbindung nicht für jedes Format und jede Sendung Sinn, aber wenn, dann bitte sinnvoll und konsequent.

Nach der Sendung ist vor der Sendung (Sepp Herberger möge mir verzeihen). Das gilt vor allem für die Betreuung der mit viel Aufwand und Tamtam errichteten Facebook-, Twitter- und Blog-Accounts. Das Problem mit der „Community“ ist nämlich, das sie sich nicht an die betrieblich festgelegten Arbeitszeiten hält. Da wird auch weit über den Feierabend des „Social Media Beauftragten“ veröffentlicht was die Tastatur hergibt. Leider auch am Wochenende. Da es unmöglich ist der „Community“ diese Unsitte abzugewöhnen bleibt also nur der Ausweg mit ihr zu leben. Die Teilnahme (als Unternehmen) an sozialen Netzen ist ein 24-Stunden Job, der auch an Wochenenden und Feiertagen gemacht werden muss. Nichts ist frustrierender als ein Post auf den nicht reagiert wird. Und nichts ist schädlicher als ein diffamierender Post der über lange Zeit nicht bemerkt wird.

Wer sich den personellen Aufwand zur Betreuung seiner Aktivitäten in den sozialen Netzen nicht leisten kann, sollte damit besser gar nicht erst anfangen. Und wenn ich schon dabei bin  – für die Betreuung der Accounts braucht es Profis. Nicht jeder der es schafft einen Satz mit weniger als 140 Zeichen zu schreiben ist auch dafür geeignet dies für ein Unternehmen oder einen Sender zu tun. Der Umgang mit kritischen Posts muss gelernt sein und bei Antworten muss der richtige „Ton“ getroffen werden. Hier ist jung nicht gleichbedeutend mit geeignet. Was als Massstab für einen Zeitungs-, Radio- oder Fernsehredakteur gilt, trifft auch für’s Kommentieren in sozialen Netzen zu.

In diesem Sinne wünsche ich mir mehr interaktives, soziales Fernsehen verknüpft mit dem Gefühl dass dieses gemacht wird weil man verstanden hat das die Verbindung von sozialen Netzen und TV aufregende und zeitgemässe Unterhaltung liefern kann.

One comment

  • /signed 😉

    Es ist erschreckend, wie sehr allerorts mit dem bedeutungsschwangeren und wenig greifbaren Begriff SocialTV gehandelt wird, nur um wenig aufregende Lösungen zu beschreiben.

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